Cato und die Frauen

Cato privat

Cato war Politiker, Censor und Schriftsteller im Republikanischen Rom zu Beginn des 2ten Jahrhunderts v.Chr. Viele seiner Werke gingen verloren, aber ein großer Teil seines Buches ‚Vom Landleben’ blieb erhalten.

Erhalten blieb auch sein Ruf als rigider, sittenstrenger Mann. Bezeichnend ist eine Szene, die sein Biograph Plutarch überliefert:

Cato stieß einen Senator aus dem Senat, weil er seine Frau am hellen Tage vor den Augen seiner Tochter geküsst hatte, und äußerte dabei, er selbst habe seine Frau nur bei heftigem Donner umarmt. Scherzeshalber fügte er noch bei, er sei glücklich, wenn Jupiter donnere.

Der Scherz wirkt etwas bemüht. Warum  ein ordentlicher Römer seine Frau nur bei Gewitter, küssen, umarmen, lieben darf, bleibt offen. Wie diese private Familienszene in den Aufgabenbereich des Censors gelangte, auch.Immerhin, Cato ist glücklich, wenn Jupiter donnert, wohl auch glücklich mit seiner Frau. In seinem Buch ‚Vom Landleben’ gibt er weiter Einblicke in sein Verhältnis zu Frauen und seine Einschätzung des männlich/weiblichen Rollenverhältnisses.

Cato’s Buch ‚Vom Landleben’ (De agri cultura)

Das Buch eröffnet  Einblicke in viele Facetten der Welt Catos und seiner Zeit. Unzählige Einzelheiten, wie angebaute Feldfrüchte, Küchenrezepte, medizinisches Vorgehen, abergläubige Vorstellungen werden beschrieben. Dabei sind die Schilderungen sachorientiert und knochentrocken. Auch die Menschen, die auf dem Gut arbeiten, und mit dem  uns anrührenden Wort ‚familia’ bezeichnet werden, werden ausschließlich praktisch gesehen. ‚Kleidung für das Gesinde’ wird an ‚Jährliches Futter für Rinder’ gereiht. Cato ist ausgesprochen filzig. Wird eine neue Tunika ausgegeben – nicht jedes Jahr, sondern  alle zwei Jahre – so wird das alte Stück eingefordert, um Flickmäntel daraus zu machen. Und er ist völlig unsentimental:  ein alter, d.h. nutzloser  Sklave soll genauso verkauft werden wie ein altes Eisengerät. Ein Unterschied zwischen Männern und Frauen wird hier nicht gemacht, da beide rein rationell betrachtet werden.

Etwas anderes ist allerdings der Hausherrn (pater familias, dominus) mit  seiner Frau (domina) und der Verwalter (vilicus) mit seiner Verwalterin (vilica).

Dominus und domina

Dem Hausherrn  ist ein ganzes Kapitel gewidmet. Was wir dort über seine Pflichten erfahren, überrascht uns nicht. Er soll ohne Rast und Ruh’ die Arbeit überwachen, sich insbesondere nicht vom Verwalter betrügen lassen, die Rechnungen überprüfen, dafür sorgen, dass stetig geschafft wird.

Seine ehrenvollste Aufgabe ist es, den Schutzgott des Hauses, den larem familiarem zu verehren. Hier und an anderen Stellen im Buch  wird ausführlich beschrieben, welche kultischen Handlungen vom Hausherrn nötig sind, um das allgemeine Wohl und gelingen zu gewährleisten.

Und die Hausfrau ? Die Gattin ? Die domina ? Sie wird ab und an zusammen mit ihrem Mann erwähnt, als ‚dominus et domina’ aber im übrigen  findet sie nicht statt. Zweifellos hat der Pater familias doch eine Gattin, die er umarmen kann, wenn Jupiter donnert. Aber sie wird kaum  erwähnt. Sitzt sie funktionslos im Atrium herum und lässt sich bedienen? Verlässt sie gar die Stadtvilla nicht ? Wir wissen es nicht.

Vilicus und vilica

Anders ist es bei vilicus und vilica. Auch der Verwalter ist ein wichtiger Mann. Ein ganzes Kapitel  werden seinen Pflichten und Verhaltensweisen gewidmet. Verschiedene Aussagen werden zusammengetragen. Cato bringt praktische Ratschläge, wie ‚sieh zu, dass du einen großen Misthaufen hast’. Aber er thematisiert auch das Verhältnis zum Hausherrn: er soll sich nicht einbilden, klüger zu sein, als der Herr. Für das ihm unterstehenden Gesinde ist er verantwortlich: er soll es tüchtig mit Arbeit beschäftigen, dann wird es leichter von böser Tat ferngehalten. Seine Kultfähigkeit ist eingeschränkt. Nur eine kultische Handlung – ein Opfer am Compitalienfest – ist ihm gestattet.

In einem weiteren Kapiteln wird dann sein Verhältnis zur Verwalterin  beschrieben. Sie wird ihm vom Herrn zur Frau gegeben und damit soll er zufrieden sein. Natürlich ist er ihr übergeordnet und soll sich ihr gegenüber in Respekt setzen. Und damit sind  wir bei der vilica. Die Hausherrin wird kaum erwähnt, aber der vilica ist ein ganzes Kapitel gewidmet.

Ihre Pflichten umfassen die Sauberhaltung des Hauses, das Kochen für das Gesinde. Das verblüfft nicht. Es ist nur überraschend, dass man für diese Position eine Frau einsetzt, die statusmäßig deutlich über der restlichen familia steht. Aber – und das ist wirklich überraschend – sie hat kultische Ausgaben. Zwar, Opfer bringt sie  ohne Befehl des Herren oder der Herrin nicht dar, aber  sie schmückt an Festtagen den Herd mit einem Kranz und opfert dem Schutzgott des Hauses,  wie das auch der Hausherr tut. Der vilicus hat diese Recht nicht.

Und was dürfen wir dann lesen:  ‚Dass sie viele Hennen und Eier hat ! Getrocknete Birnen, Vogelbeeren, Feigen, Rosinen, Vogelbeeren in Most, Birnen, Trauben, Quitten…’  die Aufzählung geht noch weiter. Dies alles soll sie alljährlich sammeln und aufspeichern. Der sparsame Cato spricht nicht von möglichst viel verkaufen, nur das nötigste behalten, nein, alles sammeln und sorgsam aufspeichern.

Da sehe  ich einen kleinen römischen Jungen seinem strengen Lehrer  in die Küche entwischen, wo die vilica mit bemehlten Armen einen Teig knetet. Und sie gibt  dem kleinen Kerl zu naschen: Rosinen, getrocknete Birne, Feigen, Nüsse. Der kleine Junge behält diese Erinnerung und noch Jahrzehnte später fällt ein freundlicher Schimmer in seine knochentrockene, poesiearme Welt.